Am 10. Juli 2014 startete die gesellschaftspolitische Reihe betrifft: des Kulturzentrums Pavillon nach der Komplettsanierung des Hauses neu. Thema war in Zusammenarbeit mit Mittendrin e.V. die Inklusion in den Schulen.

Ein Referat der Rektorin des Studienseminars Hannover für das Lehramt der Sonderpädagogik, Dr. Inge Krämer-Kilic, leitete in dieses vielschichtige Thema ein. Zunächst thematisierte sie die UN Menschenrechtskonvention von 2009 über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Diese UN-Konvention markiert einen historischen Meilenstein in der internationalen Inklusionsbewegung. Nach dieser politischen Einordnung formulierte Frau Dr. Krämer-Kilic konkrete Fragen an die niedersächsische Schulpolitik und die Praxis an den Schulen. Das Eingangsreferat war ein klares Plädoyer gegen Exklusion und für das grundlegende Menschenrecht auf gesellschaftliche Teilhabe.

Im Anschluss begann der Hauptteil des Abends: Die Möglichkeit, aus dem Publikum heraus zu treten und aktiv an Diskussionsrunden teilzunehmen. Drei moderierte Thementische luden mit entsprechenden Fachleuten bzw. Akteur_innen zu Austausch und Diskussion ein.

Der erste Thementisch behandelte die aktuelle Situation in den Schulen. Thematisiert wurden die Wünsche, Ängste und Erfahrungen von Eltern behinderter und nichtbehinderter Kinder. An diesem Tisch standen als Diskussionspartner Jan Vahlbruch von mittendrin e.V., einem Verein für die Integration von Menschen mit Behinderung, und Frank Post, der Schulleiter der integrativen Grundschule Fuhsestraße in Hannover für die Diskussion bereit. Susanne Müller-Jantsch vom Kulturzentrum Pavillon moderierte hier die Gespräche.

Am zweiten Thementisch ging es um die Methoden und Möglichkeiten einer inklusiven Förderpädagogik. Dipl.-Psych. Michael Wachtendorf, Leiter der Psychologie und des Qualitätsmanagements am Sozialpädiatrisches Zentrum Hannover untersuchte mit den Gästen unter Anderem die Bandbreite förderpädagogischer Bedarfe, die diagnostische Praxis, die aus einer Diagnose resultierenden pädagogischen Optionen und die verschiedenen Ebenen der Förderung. Dr. Inge Krämer-Kilic beschäftigte sich mit der Frage, wie Förderlehrer_innen im Zeichen der Inklusion ausgebildet werden können und welche Möglichkeiten – aber auch welche Probleme – sich bei der praktischen Umsetzung von Theorien inklusiver Förderpädagogik ergeben. Frau Dr. Angelika Schammert-Prenzler war als Vertreterin des Teams Sozialmedizin und Behindertenberatung der Region Hannover anwesend. Dieses Team berät Schüler_innen von Förderschulen in der Region Hannover, sucht nach geeigneten Einrichtung und führt schulärztliche Untersuchungen durch. Marcus Munzlinger, ebenfalls vom Kulturzentrum Pavillon, saß hier als Moderator an dem Tisch.

Den Gästen wurde am dritten Thementisch die Möglichkeit geboten, sich mit der Schulpolitik hinsichtlich der Inklusion auseinanderzusetzen. Befasst wurde sich mit Fragen nach notwendigen Rahmenbedingungen für inklusive Schulen, der aktuellen Situation in Hannover, dem anstehenden Wandel und mit vorbildhaften Modellen. Hans Dieter Keil-Süllow, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der Region Hannover in der SPD und Heike Fortmann vom Arbeitskreis Inklusion des Stadtelternrates saßen hierbei als Expertin und Experte am Tisch. Moderiert wurde dieser von Dirk Reiche, Leiter des Förderzentrums Wilhelm-Schade-Schule.

Abschließend berichteten die Beteiligten von ihren Diskussionen an den einzelnen Thementischen in einem dreißig minütigen Plenum.

Text: Isabel Olson (FSJ Kultur im Pavillon Hannover 2014/15)