Halim Dener wurde 1977 in Kurdistan geboren. 1994 musste er vor der Verfolgung durch den Staat Türkei aus Kurdistan fliehen und stellte unter dem Namen Ayhan Eser in Deutschland einen Asylantrag. Damals wie heute waren gewalttätige Übergriffe durch das türkische Militär gängige Praxis und wurde durch die deutschen Medien weitestgehend verschwiegen.
Im November 1993 wurde in Deutschland die „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) und alle ihr nahestehenden Organisationen als „Terrororganisation“ verboten. Halim Dener setzte sich aber weiterhin für den kurdischen Befreiungskampf ein.
In der Nacht des 30 Juni 1994 klebte Halim Dener zusammen mit anderen Jugendlichen Plakate der „Nationalen Befreiungsfront Kurdistans“ (ERNK), eine Nebenorganisation der PKK, am Steintor. Dabei wurden sie von zwei SEK Beamten gefasst. Daraufhin versuchten die Jugendlichen zu fliehen. Über das was dann geschah gibt es unterschiedliche Aussagen. Fest steht, dass Halim Dener von dem Polizisten aus nächster Nähe in den Rücken geschossen wurde und daraufhin verstarb.
Der Polizist sagte, dass sich im Handgemenge ausversehen ein Schuss gelöst habe. Dies sei aber bei seiner Waffe, ein amerikanischen Smith & Wesson-Revolver, Kaliber 38, eigentlich unmöglich. Da müsse der SEK Beamte erklären warum er mit einem gespannten Revolver aus kürzester Distanz auf einen unbewaffneten Plakatkleber gezielt habe. Zudem habe Halim Dener Schmauchspuren an seiner Hand gehabt, was darauf hinweise, dass der SEK Beamte ihn im Polizeigriff hielt als der Schuss fiel. (Link zur Quelle).
Eine Woche nachdem Halim Dener erschossen wurde versammelten sich 16000 Menschen zu einem Trauermarsch. Bundesweit löste der Vorfall Empörung aus und führte zu Demonstrationen.
1997 wurde der SEK Beamte freigesprochen. Das Urteil lautete: „Der Schuss hat sich durch reine Unvorsichtigkeit gelöst – das allein löse aber noch keine Fahrlässigkeit aus.“
Eine Revision wird ein Jahr später vom Bundesgerichtshof abgelehnt.
Ein Text des Rechtsanwaltes Dr. Rolf Gössner, der als Nebenklage-Vertreter zusammen mit Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz die kurdischen Eltern und Geschwister des erschossenen Jugendlichen Halim Dener vertrat, ist hier zu finden.

Die HAZ warf letztes Jahr anlässlich des 20. Todestages einen Blick zurück, samt Bilder aus der Todesnacht.

Das hannoveraner Büro der Roten Hilfe stellt den Fall Halim Dener in einen Kontext mit dem wenige Monate vorher verhängten Verbot der PKK und den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehung zwischen der Türkei und der BRD (zum Artikel hier).

Die Diskussion, ob das PKK-Verbot angesichts der Friedensverhandlungen zwischen Öcalan und dem türkischen Staat sowie dem Kampf PKK-naher kurdischer Milizen gegen Islamist*innen in Syrien und im Irak noch zu rechtfertigen ist, wurde Anfang 2015 auch wieder vom Bundestag geführt. Zu dieser Diskussion hat die ARD-Sendung Monitor einen Filmbeitrag veröffentlicht.