Egal ob professionelle Politik, Wohlfahrtsverbände oder ehrenamtliches Engagement: Die Frage des Wohnraums betrifft alle sozialpolitischen Felder. Der prozentuale Anteil der Miete am individuellen Gesamteinkommen entscheidet nicht unwesentlich über die allgemeinen Teilhabemöglichkeiten an der Gesellschaft. Geht zu viel Geld nur für das Wohnen drauf, kommen sowohl materielle Güter als auch Kultur und Bildung notgedrungen schlechter weg als in jenen Haushalten, die sich über die Ausgaben für ihren Wohnraum hinaus noch wesentlich mehr leisten können. Hartz IV Empfänger_innen sind daher eine der am schwersten von Gentrifzierung betroffenen Gruppen.

Soweit, so banal, könnte man denken.

Doch dieses Grundproblem zieht eine ganze Reihe von weitergehenden Begleiterscheinungen nach sich. Ältere und Menschen mit Behinderungen müssen fixe, oftmals sehr hohe Ausgaben für Hilfsmittel oder Medikamente bewältigen, von denen sie meist nur einen Teil über Krankenkassen, Rentenaufstockung oder steuerliche Begünstigungen erstattet bekommen. Gleichzeitig haben sie oft spezielle Anforderungen an den Wohnraum (Stichwort „Barrierefreiheit“). Aus diesen Gründen gestaltet sich die Suche nach einer Wohnung für sie oftmals sehr schwierig, eine baulich Geeignete ist häufig zu teuer oder eine preislich Passende erfüllt nicht die notwendigen baulichen Bedingungen. Aus Sicht einer Bewegung für Inklusion sind beinahe alle Mietshäuser (und nicht nur die) stark sanierungsbedürftig. Private Hauseigentümer_innen kommen diesem Bedarf aber nur sehr selten nach – in der Regel nur dann, wenn dadurch die eigenen Renditeziele nicht gefährdet werden. In vielen Fällen sind gerade auch Rentner_innen von strategischer Entmietung durch die Vermieter_innen betroffen, wenn sie schon lange in den Wohnungen leben und mit ihren Verträgen einer Komplettsanierung im Weg stehen. Für viele ältere Menschen stellen finanziell notwendig gewordene Umzüge aber ein großes Problem dar. Sie können sie körperlich schwerer bewerkstelligen und können oft nicht auf ein großes soziales Umfeld zurückgreifen. Vor allem aber hängen viele von ihnen emotional an ihrem Wohnraum und an ihrer Gegend. Ein Umzug bedeutet viel zu häufig eine Verschärfung der im Alter ohnehin bestehenden Gefahr der Vereinsamung.

Familiengründung und eine weitgehende Selbstbestimmung bei der Wahl der Wohnung können in Städten häufig nur Besserverdienende miteinander verbinden. Ein Kinderhaushalt braucht mehr Platz – und kostet damit auch mehr. Natürlich sind das aber beileibe nicht die einzigen Mehrausgaben, die das Kinderkriegen nach sich zieht. Steigende Mieten durch Gentrifizierung können da schnell das Aus für den Familienentwurf im eigenen Viertel bedeuten, und am Ende ist doch der Umzug an den Stadtrand die einzig mögliche Option, so sehr man immer hoffte, einem solchen Schicksal zu entfliehen.

Ein so genannter „Migrationshintergrund“ stellt in Deutschland ein hohes Armutsrisiko dar. In Großstädten leben daher folgerichtig viele der Betroffenen in günstigeren Wohngegenden. Hier findet die Auseinandersetzung um Gentrifizierung statt: Eine „Aufwertung“ des Viertels bedeutet in der Regel ein Austausch der Bevölkerung. Wie sich dieser Prozess diskriminierend gerade gegen Menschen mit „Migrationshintergrund“ richten kann, hat erst neulich ein spektakuläres Beispiel in Berlin gezeigt.