Neben dem Forum zur Asylpolitik in Niedersachsen, gab es auch ein Forum zu Ausbildung- und Arbeitsmarktzugang. In diesem Forum wurden drei Projekte vorgestellt, die den Zugang zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, zu Universitäten oder auch zur Selbstständigkeit erleichtern sollen.

Dr. Peyman Javaher-Haghighi stellte das Projekt Arbeitsmarktzugänge für Flüchtlinge (AZF) vor.
Durch das Projekt werden Geflüchtete, die arbeiten dürfen und eine befristete Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsgestattung oder Duldung haben, bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz unterstützt. Dies wird durch individuelle Beratungsgespräche, Sprachkurse und Vermittlung erreicht.
In den zwei Vorgängerprogrammen wurden insgesamt 2000 Geflüchtete betreut, es wird jedoch, aus datenschutzrechtlichen Gründen und aufgrund des immensen Aufwandes, nicht nachverfolgt wie nachhaltig die Vermittlung an die Arbeitsstellen funktioniert hat.
Trotz der bisherigen Erfolge gibt es noch Verbesserungsbedarf, so fordern die Projektpartner bessere Möglichkeiten für den Sprachunterricht, denn die Bedingungen in den Unterkünften seien oftmals zu schlecht um produktiv arbeiten zu können. So sollen die Flüchtlinge auch nicht in 2 Klassen eingeteilt werden, denn die AZF sei für alle geflüchteten Menschen da und orientiere sich nicht an Länderschwerpunkten.
Abschließend erklärte Dr. Jahaver-Haghighi, dass es bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Europa nicht um den guten Willen gehe, sondern Europa auch eine Mitschuld an den Fluchtursachen trage und es deshalb die Verpflichtung der EU sei Asyl zu gewähren.

Als nächstes stellten, Franziska Wolters vom Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen und Dashuri Xhelaj einer Projektteilnehmerin, das Pilotprojekt „Hochschulzugänge für Flüchtlinge schaffen“ vor, das Geflüchteten den Studienzugang ermöglichen will. Es ist ein Qualifizierungsprogramm mit hohen Anforderungen für junge Geflüchtete. Es gibt Vollzeit-Sprachkurse im C1 Niveau, zudem wird neben dem Sprachunterricht über das deutsche Hochschulsystem informiert, zum Teil auch vor Ort an den Unis. Den Geflüchteten wird bei der amtlichen Anerkennung von Zertifikaten aus ihren Herkunftsländern und bei der realistischen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten des Studierens Unterstützung zuteil.
Bisher gibt es in Lüneburg 15 Teilnehmer*innen, doch die Nachfrage ist groß. Ziel ist es den Frauenanteil zu stärken.
Des Weiteren fordert die VNB eine Bündelung der verstreuten Angebote und Kompetenzen, sowie ein geringerer Anspruch an Ausbildungszertifitkate, dieser solle realistischer und weniger elitär gestaltet sein.

Saeed Maissara, der ehemalige Sprecher des Refugee Protest Camp auf dem Weißekreuzplatz, stellte zu guter Letzt das Projekt Umbaja vor, das Flüchtlinge zur ökonomischen Selbständigkeit verhelfen will. Umbaja ist ein Verein in Gründung, dass es sich zum Ziel gemacht hat die Selbstorganisation Geflüchteter, in ökonomischer Hinsicht, im privaten Sektor zu ermöglichen, dies sei laut Saeed Maissara wesentlich für die Selbsttätigkeit und Selbstorganisation von Geflüchteten insgesamt. Der Projekttitel „Umbaja“ sei gezielt gewählt wurden, so sei die Umbaja ein sudanesisches Musikinstrument mit dem unter anderem auch zur Versammlung gerufen wird.
Zurzeit startet gerade ein Catering-Projekt, für das nur noch eine Küche benötigt wird. Ein weiteres geplantes Projekt ist ein Restaurant mit sudanesischer Küche und weiteren afrikanischen Spezialitäten. Um diese und weitere Projekte realisieren zu können, benötigt das „Umbaja“ noch Startkapital, daher wird noch nach Möglichkeiten gesucht Spenden zu sammeln, indem beispielsweise das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert wird.
Außerdem sieht der Verein das Erlernen der deutschen Sprache als Basis und daher als enorm wichtig an, weshalb sie ein ganzheitliches Lernen zum Beispiel durch Kulturcamps mit Fußballspielen, Theater und Kommunikation befürworten würden.

Die drei vorgestellten Projekte sind auf ein großes Interesse von Seiten des Publikums gestoßen und wir wünschen Ihnen viel Erfolg in ihren weiteren Projektverläufen.

 

 

Text: Btissam Boulakhrif (FSJ Politik 2015/2016)