Die Konjunktur des Begriffs „Gentrifizierung“ verlief in drei Phasen: Zu erst als ein Fachbegriff der Stadtsoziologie, dann als Begriff linker Kampagnenpolitik und schließlich als Schlüsselbegriff einer allgemeinen Debatte um steigende Mieten in Großstädten.

Alle drei Phasen dieser Begriffsgeschichte erlebte der Berliner Andrej Holm am eigenen Leib: Aufgrund seiner Forschungsarbeit zu Gentrifizierung geriet er in das Visier des Staatsschutzes, der (fälschlicher Weise) eine Verbindung zwischen ihm und der linksradikalen „Militanten Gruppe“ (MG) annahm. Diese hatte in Bekenner_innenschreiben der Gentrifizierung in Berlin den Kampf angesagt. Durch seine vorrübergehende Verhaftung wurde Andrej Holm mit einem Schlag überregional bekannt und selbst kurzzeitig zum Medienphänomen. Heute wird er in der Presse oftmals als Experte zu Stadtentwicklungsprozessen befragt.

Gentrifizierung ist nach wie vor ein großes Thema kapitalismus- und staatskritischer Bewegungen. In Hamburg ist die Rote Flora ein wichtiges Symbol des Widerstandes gegen die Gentrifizierung insbesondere im Schanzenviertel. Im Umfeld der Roten Flora konnte das breit aufgestellte Bewegungsbündnis „Recht auf Stadt“ entstehen, das bundesweit zu den wichtigsten Netzwerken gegen Gentrifizierung auf Basis sozialer Bewegungen gehört. Inwieweit eine Verbindung von Kapitalismuskritik und Kritik an Gentrifizierung notwendig ist, ist auch innerhalb linker Theorie und Praxis umstritten.

Soziale Bewegungen gegen Gentrifizierung müssen sich allen Ortes auch mit Polizei und Verfassungsschutz auseinander setzten. In Hannover ist vor allem die „Kampagne Ahoi“ mit teilweise spektakulären Aktionen zum Stadtgespräch geworden. Mit der Kampagne wollen wir über die Ziele und Möglichkeiten sozialer Bewegungen jenseits städtischer Dialogpolitik diskutieren.